Was ist das Endocannabinoid-System?

Seit längerem ist bekannt, dass der menschliche Körper ein Endocannabinoid-System besitzt. Es ist Teil des menschlichen Nervensystems und wird auch endogenes Cannabinoid-System genannt. Zentrale Bestandteile dieses Systems sind zwei Cannabinoid-Rezeptoren, der CB1 und der CB2 Rezeptor. Cannabinoide, also Endocannabinoide, können an diese Rezeptoren andocken und sie aktivieren. THC kann ebenfalls an diese Rezeptoren andocken und seinen Effekt ausüben.

Das Endocannabinoid-System hilft deinem Körper mit dem Gehirn zu kommunizieren. Mittlerweile sind bereits weiter Funktionen des Systems bekannt, die mit unseren Gefühlen, der Schmerzwahrnehmung und unserer Stimmung zu tun haben. Gerade für die Forschung ist es besonders interessant, die möglichen Interaktionen zwischen den körpereigenen Endocannabinoiden und den Cannabinoiden der Hanfpflanze nachzuvollziehen.


Inhaltsverzeichnis

Wo kommt das Endocannabinoid-System her?

Wie funktioniert das Endocannabinoid-System?

Das Endocannabinoid-System und Cannabis



Wo kommt das Endocannabinoid-System her?

Mitte der 1960er wurde THC als psychoaktiver Bestandteil der Hanfpflanze entdeckt. Cannabis war allerdings bereits bei den Ägyptern als Heilpflanze bekannt. Die Hanfpflanze wurde früher zur Linderung von Schmerzen und geistigen Reinigung genutzt. Erst als sich die Forschung immer mehr mit den Bestandteilen der Hanfpflanze beschäftigte, wurde 1992 das Endocannabinoid-System entdeckt.

Man erforschte die Wirkung der Cannabinoide der Hanfpflanze und stieß dabei auf das Endocannabinoid-System, dessen Rezeptoren mit den Cannabinoiden interagieren. Forscher fanden heraus, dass es nicht nur Cannabinoide aus der Hanfpflanze gab, sondern auch körpereigene Endocannabinoide. Das erste körpereigene Cannabinoid, das entdeckt wurde, nennt sich Anandamid. Der Begriff leitet sich von dem Sanskrit Wort “ananda” für Glückseligkeit ab.

Das Endocannabinoid-System ist noch nicht vollständig erforscht, und auch die Wirkung, sowie weitere Cannabinoide müssen erst noch entdeckt werden.


Wie funktioniert das Endocannabinoid-System?

Das Endocannabinoid-System gehört zum menschlichen Nervensystem und besitzt Rezeptoren, an die körpereigene und körperfremde Cannabinoide andocken können. Normalerweise wird das Endocannabinoid-System durch körpereigene Cannabinoide ohne Einfluss von außen reguliert. Allerdings können Cannabinoide von außen ebenfalls mit diesem System interagieren. Besonders die über 100 Cannabinoide der Cannabispflanze können dieses System beeinflussen. CBD ist eins der bisher meist erforschten Cannabinoide und soll über das Endocannabinoidsystem zum Beispiel eine beruhigende Wirkung haben. Das wurde von der Wissenschaft allerdings noch nicht abschließend bewiesen.

 

Der Körper besitzt innerhalb des Endocannabinoid-Systems zwei zentrale Rezeptoren. Sie befinden sich im ganzen Körper und haben unterschiedliche Funktionen. Hauptsächlich sollen diese Rezeptoren dafür verantwortlich sein, uns im Gleichgewicht zu halten. Der Fachbegriff für unser biochemisches Gleichgewicht heißt auch Homöostase. In der Homöostase versucht unser Körper Hormone, Enzyme und Endocannabinoide ausgeglichen zu halten, damit wir uns im Gleichgewicht fühlen.

 

Grundsätzlich werden Endocannabinoide zur Kommunikation unseres Körpers mit dem Gehirn genutzt. Nach einem Reiz werden sie von unserem Körper produziert und können dann an die Endocannabinoid-Rezeptoren andocken. Danach werden die Endocannabinoide wieder abgebaut. Die Wirkung des Endocannabinoid-Systems entfaltet sich also, um Reize verarbeiten zu können.

 

Die Forschung hat bisher zwei Arten von Cannabinoid-Rezeptoren erkannt, der Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) und Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2). Während der CB1-Rezeptor häufig in den Nervenzellen, vor allem im Gehirn und im Darm, vorkommt, liegt der CB2-Rezeptor eher im Immunsystem und an den Zellen, die sich am Knochenauf- und abbau beteiligen.

 

Die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems haben unterschiedliche Funktionen. CB1-Rezeptoren finden sich zum Beispiel gehäuft in der Hirnregion, die für unsere Bewegung und unsere Informationsverarbeitung zuständig ist. Sie liegen ebenfalls in den Bereichen des Gehirns, die wichtig für unsere Motivation sowie kognitiven Funktionen sind. CB2-Rezeptoren finden sich vermehrt im zentralen Nervensystem, das für unser Immunsystem und unsere Immunabwehr zuständig ist.

 

Die Aktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren findet durch die Endocannabinoide statt. Diese Endocannabinoide werden nicht wie die meisten anderen Neurotransmitter in den Nervenzellen gespeichert. Das Endocannabinoid Anandamid bindet vor allem an den CB1-Rezeptor, das Endocannabinoid 2-Arachidonylglycerol (2-AG) an den CB2-Rezeptor. Docken diese Endocannabinoide an die Rezeptoren an, lösen sie im Körper eine Reaktion aus. Das kann unsere Stimmung, unser Gedächtnis, unsere Konzentration und auch unser Schmerzempfinden beeinflussen. Ein interessanter Zusammenhang besteht zum Beispiel zwischen dem Lesen eines Buches oder dem Joggen und einem höheren Endocannabinoid-Spiegel. Das erklärt wahrscheinlich, warum wir uns danach so wohl fühlen. Joggen und lesen kann unser Wohlbefinden steigern und unsere Stimmung verbessern.

 

Das Endocannabinoid-System und Cannabis

Die Endocannabinoide, die sich im Endocannabinoid-System befinden, werden vom Körper selbst hergestellt. Allerdings gibt es auch pflanzliche Cannabinoide, die mit diesem System interagieren können. Diese Cannabinoide stammen aus der Hanfpflanze. Die zwei bekanntesten Cannabinoide sind THC und CBD.

 

Die pflanzlichen Cannabinoide weisen eine ähnliche Struktur zu den körpereigenen Endocannabinoiden auf. Deshalb können sie ebenfalls an die CB1- und CB2-Rezeptoren binden. So können sie die Rezeptoren ebenfalls aktivieren, genauso wie die körpereigenen Endocannabinoide.

 

THC kann dabei psychoaktive Auswirkungen auf den Körper haben. Es bindet sich hauptsächlich an den CB1-Rezeptor, der überwiegend im Gehirn vorkommt. Die Reaktion kann das Gedächtnis und die Wahrnehmung beeinflussen oder das Hungergefühl. Aus diesem Grund fällt THC auch unter das Betäubungsmittelgesetz.

 

Aber auch CBD als Cannabinoid kann an die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems binden. Es besitzt keine psychoaktive Wirkung und soll sogar dazu führen, dass das THC schneller abgebaut wird. CBD besitzt weniger Bindungskraft an den Cannabinoid-Rezeptoren. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass andere Cannabinoide weniger an die Rezeptoren des Endocannabinoid-System binden können. Dafür kann CBD an andere Rezeptoren unseres Körpers binden, wie zum Beispiel den Serotonin-Rezeptor, oder die Enzyme hemmen, die unserer körpereigenen Endocannabinoide abbauen. So bleiben unsere körpereigenen Endocannabinoide wie Anandamid länger im Körper. Daher geht die Forschung davon aus, dass CBD unser Endocannabinoid-System unterstützt und im Gleichgewicht halten kann. Das ist bisher allerdings noch nicht abschließend belegt.

 

Pflanzliche Cannabinoide der Hanfpflanze können also mit unserem Endocannabinoid-System kommunizieren und unseren körpereigenen Endocannabinoid-Spiegel beeinflussen. Genau aus diesem Grund interessiert sich die Forschung immer mehr für die in der Hanfpflanze enthaltenen Cannabinoide und ihren Einfluss auf das Endocannabinoid-System. Wir sind gespannt!